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Der Wohnwagen steht in Schwalmstadt. Solide. Geerdet. Anders als die EU.

Tom Borsalino faltet die Zeitung auf, starrt drauf. Ursula von der Leyen, lachend. Faltet sie wieder zu. „Die EU hat eine neue Asylverordnung.” Emily, die schwarze Katze, hebt den Kopf vom Fensterbrett. „Sag mir, dass es nicht schlimm ist.” „Kinder. Vierundzwanzig Monate Abschiebehaft.” „Das sagst du jetzt nicht ernst.” Er zieht an der Zigarre. „Zwei Jahre.” Emily springt vom Fensterbrett. „Und weiter?” „Return Hubs. Abschiebezentren in Drittstaaten. Länder, in denen die Leute noch nie waren.” Tom wedelt mit der Zeitung. „Einfach hinschicken. Tür zu. Auf Wiedersehen.” „Wer hat dafür gestimmt?” „CDU und alles rechts davon.”

Sie läuft einmal durch den Gang, kommt zurück. „Und der Rest?” „Pässe werden beschlagnahmt. Wohnungen durchsucht. Und —” er lacht dieses kurze, freudlose Lachen „— du musst aktiv bei deiner eigenen Abschiebung mithelfen. Steht so drin.”

Emily setzt sich. Aufrecht. Mit dieser Würde, die nur Katzen hinkriegen. „Und Menschen lassen das zu.” „Demokratisch beschlossen. Ab Juni. Legal.” Stille im Wohnwagen. „Tom”, sagt Emily schließlich. „Ja?” „Ich bin froh, dass ich eine Katze bin.”

Ende