
Sie sitzt allein im Halbdunkel des Ministerbüros, die Stadt draußen nur noch als grauer Reflex in der Scheibe.
Auf dem stummgeschalteten Fernseher flackern Livebilder: Drohnenaufnahme, Rauch über Ras Laffan, Laufband: „Angriff auf Gas-Industriegebiet in Katar – schwere Schäden an LNG-Anlagen“. Ihr Handy vibriert im Sekundentakt: „Spotmarkt explodiert“, „Energiekrisenstab warnt“, „Reiche blockiert weiter Erneuerbare“.
Sie lässt es liegen und starrt auf die Bilder, als wären die Flammen nur eine besonders dramatische Powerpoint-Folie. Auf dem zweiten Bildschirm klettern Öl- und Gaspreise in steilen, grünen Kerzen nach oben, der Chart sieht aus wie ein EKG im Herzinfarkt.
Im Entwurffach liegt eine Mail an einen großen Energiekonzern, Betreffzeile: „Verbesserte Rahmenbedingungen für fossile Investitionen“. Einen Moment lang zuckt so etwas wie Zweifel in ihrem Gesicht, kurz, flach, sofort überdeckt von Routine.
„Krise ist Chance“, murmelt sie, als spräche sie ein altbekanntes Passwort.
Schnitt: Close-up auf ihre Hand. Sie schnipst mit den Fingern, ein trockenes Knacken in der Stille. „Jetzt“, sagt sie leise, „jetzt richtig in FOSSILE investieren.“
Ende