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Das Brett glitt lautlos über den See. Kein Wind, kein Laut außer dem gleichmäßigen Ziehen des Paddels. Irgendwo in der Mitte fiel sein Blick auf einen dunklen Fleck, der träge auf den kleinen Wellen schaukelte. Er paddelte näher. Eine schwarze Mülltonne trieb im Wasser. Er zog sie zu sich heran, wuchtete sie mit beiden Armen auf sein Board. Irgendjemand hatte sie einfach reingeworfen. Er paddelte ans Ufer. Ließ die Tonne mit einem dumpfen Knall auf den Kies fallen und richtete sich auf. Da hörte er ein Motorengeräusch. Kein Boot. Zu hoch, zu hell, zu seltsam rhythmisch. Er drehte sich um. Rot. Strahlend rot. Ein Citroën 2CV — eine Ente - hing zwanzig Meter über dem See in der Luft. Zwei Tragflächen, schmal und elegant wie bei einem Sportflieger, wuchsen aus den Seiten. Auf dem Dach war ein SUP-Board verzurrt, als wäre das die normalste Sache der Welt. Hinter der Windschutzscheibe: ein Mann mit Glatze und Sonnenbrille, neben ihm eine schwarze Katze mit Lederhelm, ebenfalls mit dem Ausdruck vollkommener Gelassenheit. Die Ente zog einen kleinen Kreis, neigte leicht die Tragfläche — fast wie ein Gruß — und verschwand hinter dem Wald.

Ende